Extend your Blend – Wie Collaboration Tools in Lernszenarien Einzug halten

Autor: Timo Mornhinweg

Kaffeetassen

Mit der Digitalisierung und dem damit verbundenen Einzug des Digitalen Arbeitsplatzes in den Unternehmen bieten sich viele neue Möglichkeiten der Zusammenarbeit.

Arbeitsweisen verändern sich. Und wenn sich die Arbeitsweisen verändern – können wir dann noch mit unseren etablierten Weiterbildungsformaten punkten? Oder sollten wir reagieren und schauen, ob wir die Möglichkeiten aus der Arbeitswelt auch in die Lernwelt einfließen lassen können? Ja, da gibt es schnell Stimmen, die darauf beharren, dass es „feste Lernzeiten am Arbeitsplatz“ gibt und auf diesen bestehen. Auf der anderen Seite merke ich immer mehr, dass bei einer Vielzahl von Unternehmen das Arbeiten und Lernen miteinander verschmilzt und gar nicht mehr getrennt betrachtet werden kann.

Lernzeit? Warum nicht Twitter-Zeit?

Das Lesen einer Anleitung im Intranet, das Nachschlagen von „Excel Pivottabellen“ in Youtube, der Austausch mit Kollegen zu einer Fragestellung, ein mir auf Twitter empfohlener Impuls-Artikel zu meiner aktuellen Arbeit, der Austausch in den sozialen Medien mit externen Fachexperten zu einem bestimmten Thema … hat das nicht auch etwas mit Lernen zu tun? Mache ich das nur in meinen festen Lernzeiten? Warum gibt es dann keine „festen Twitter-Zeiten“?

Collaboration Tools

Das ist heute schon Realität und wenn wir in uns gehen, holen wir Wissen – oder zumindest Informationen – nicht mehr nur aus einem Kanal bzw. Format (WBT, Schulungsraum oder Web-Konferenz), sondern ziehen über unterschiedlichste Kanäle die unterschiedlichsten Formate heran. Und jetzt der Knaller: Wir haben ganz neue Möglichkeiten, selber oder mit anderen gemeinsam Informationen, Best Practices oder Daten zu erstellen – Stichworte „User Generated Content“ und „Content Creation“ – und diese kontextbezogen anderen zur Verfügung zu stellen.

Die Frage nach den zukünftigen Aufgaben der Kollegen aus der Personalabteilung bzw. der Weiterbildungsverantwortlichen drängt sich hier natürlich auf – kann aber heute, glaube ich, nicht abschließend ausdiskutiert werden. Dennoch stelle ich die Behauptung oder vielmehr den Wunsch in den Raum, dass sich auf die Kollegen dieser Herausforderung stellen sollten – wenn nicht sogar müssen. Die Weichen können dafür heute schon gestellt werden.

Den Blended Learning Mix erweitern

Bei dem Gedanken an unterschiedliche Formate sehen wir mit der Weiterbildungs- und Qualifizierungsbrille schnell ein Blended Learning vor uns, also den Mix aus Präsenz und virtuellen/ elektronischen Formaten. Den einfachsten Blended Learning Mix bekommen wir, in dem wir ein Web Based Training vor eine Präsenz- oder virtuelle Trainingssession legen („So schaffen wir einen einheitlichen Wissensstand und können direkt in den Sessions einsteigen“). Das sind gleichzeitig auch die gängigen – oder eher etablierten, wenn nicht teils sogar eingestaubten – drei Formate bei einem Blended Learning Mix.

3 Schubladen

Die vierte Schublade „Social“

Ergänzen möchte ich die drei Blend-Schubladen mit den Aufschriften „Präsenz“, „Virtuell“ und „E-lektronisch“ um die vierte Schublade „Social“. Je nach Betrachter und (lern-)kulturellem Reifegrad habe ich einige Formate zusammengetragen, die über die etablierten Blend-Formate hinausgehen. Alle sind definitiv keine Zukunftsmusik, sondern bereits in der Realität im Einsatz: Arbeiten in und mit Support Communities; Social Learning (z.B. Aufgabenstellungen im Team er-/bearbeiten – unter Einsatz der Social Collaboration Tools), Self organized Learning, Collaborative Learning, Mobile Learning, HoloLens Learning, On Site Sessions, (Live) Virtual Classroom Sessions, Working out Loud, Quizzes (Mobile Quiz Apps), E-Learning / E-Content / Microlearning / Learning Nuggets, Podcasts, Trailer, Workshops, BarCamps, World Cafés, Guest Speaker (intern oder extern), Topic Days, Roadshows, Coachings, Gruppenarbeiten, etc.

Toll – und weiter?

Außerdem sollten in allen Blended Learning Szenarien auch die alle Phasen und Bedarfsmomente der Mitarbeiter berücksichtigt sein – hierzu dienen die Lernmodelle und Lernphilosophien 70:20:10, Performance Support und die 5 Moments of Need. Hier spricht man auch schon vom sogenannten „Perfect Blend“. Wie so häufig sollten in solchen Fällen die Lösungen (Stichwort: IT, Technik, Device, ggf. auch künstliche Intelligenz) passgenau sein, funktionieren und keine Hürden aufbauen. Eine konzeptionelle Klammer bietet hier der Gedanke des Learning Ecosystems (vgl. https://www.knowhow.de/ecosystem.html). Und klar ist auch, dass wir digitale Kompetenzen benötigen und über selbige verfügen sollten – dazu auch mein Artikel.
 
Und immer die Frage nach dem „Was bringt uns das?“:

  • Der größere Mix an Formaten schafft abwechslungsreiche Learning Journeys und – vorausgesetzt sie sind methodisch-didaktisch gut konzipiert – schaffen bessere Lernerfolge.
  • Wir haben einen geringeren Bruch zwischen Arbeiten und Lernen.
  • Attraktive(re) und moderne Learning Journeys für die Zielgruppen.
  • Transparenz und Profitieren von Synergien im Austausch und in der Zusammenarbeit mit Anderen („Gleichgesinnten“).
  • Durch das direkte Anwenden und das Erleben schaffen wir eine höhere Nachhaltigkeit.