Wie interne Evangelisten den Wandel vorantreiben

Autor: Viola Ploski

Interne Evangelisten

Scouts, Guides, Evangelisten – der Wandel zum digitalen Arbeitsplatz bringt viele neue Rollen im Unternehmen hervor. Dabei geht es vor allem um eines: Personen, die mit Leidenschaft vorangehen und andere mit ihrer Begeisterung anstecken. Was macht Evangelisten aus und welche Voraussetzungen benötigen sie für ihre Arbeit?

Was ist eigentlich ein Evangelist?

Der Begriff kommt aus dem Altgriechischen und bezeichnet ursprünglich die Autoren der biblischen Evangelien. „Evangelium“ bedeutet „frohe Botschaft“ oder „gute Nachricht“. Nicht nur im Bereich der Religion, sondern auch im modernen Kontext der Digitalisierung braucht es Evangelisten als Verkünder des Neuen: Jemand muss den ersten Schritt tun, neue Arbeitsweisen demonstrieren und die übrigen Mitarbeiter dafür motivieren. Der Wandel kann nur gelingen, wenn Personen mit Strahlkraft ganz vorn dabei sind.

Ich habe als Senior Consultant Projekte erlebt, bei denen die Verantwortlichen alles vorbildlich organisiert, aber nicht gestrahlt haben. Vielleicht hatten sie Angst, zu scheitern oder dass ein Fehlschlag auf sie zurückfallen könnte? Dabei ist eine solche Haltung das größte Risiko für ein Digitalisierungsprojekt. Wenn das Projektteam selbst nicht für das Thema brennt – wer sollte es sonst tun?

Evangelisten brauchen Ausstrahlung

Um die Rolle eines Evangelisten einzunehmen, muss eine Person also bestimmte Fähigkeiten mitbringen: Sie muss ein sehr guter Kommunikator und Netzwerker sein. Sie muss die eigene Begeisterung auf andere übertragen können. Sie muss verschiedene Abteilungen und Hierarchie-Ebenen mit ins Boot holen. Evangelisten sind zu einem gewissen Grad Selbstdarsteller und in sozialen Kanälen – innerhalb und außerhalb des Unternehmens – sehr präsent.

Evangelist

Hartnäckigkeit und Durchhaltevermögen sind ebenfalls notwendig, denn Veränderungen lassen sich selten schnell durchsetzen. Ein Evangelist vertritt die Haltung, dass Widerstand wertvoll ist. Wenn sich jemand über eine Neuerung beschwert, ist das für ihn nichts Negatives, sondern der Ausgangspunkt, um gemeinsam zu diskutieren. So nimmt der Evangelist eine neue Sichtweise ein und erkennt Probleme, die er gar nicht auf dem Radar hatte.

Welche Voraussetzungen müssen Unternehmen schaffen?

Evangelisten brauchen ihren Freiraum. Sie sind wilde Vögel, ein bisschen anders als der durchschnittliche Mitarbeiter. Genau das müssen Unternehmen ihnen erlauben, denn Konformität verhindert Veränderungen. Deswegen benötigen Evangelisten einen guten Kontakt zum Management beziehungsweise eine große Portion Überzeugungskraft. Sie müssen im Zweifelsfall in der Lage sein, sich den notwendigen Raum für ihre Tätigkeit selbst zu schaffen.

Ein erfolgreiches Change-Projekt erfordert außerdem Macht und Mittel. Macht bedeutet, dass Grenzen verschoben werden und zum Beispiel die Unternehmenswerte verändert werden dürfen. Mittel sind Ressourcen wie Mitarbeiter, Geld und – ganz wichtig – Zeit. Erfahrungsgemäß ist das Zeitbudget der Knackpunkt: Viele Unternehmen unterschätzen den Bedarf. Genügend Zeit ist allerdings unabdingbar; ein Digitalisierungsprojekt kann nicht einfach nebenher laufen.

Change Projekt

Wenn ein Unternehmen den Digital Workplace gut vorbereitet angehen will, sollte es seinen Evangelisten von Anfang an große Beachtung schenken. Eine klare Definition der Rollen und Ziele, das Bereitstellen der nötigen Ressourcen und ein eigenes Karrieremodell zeigen den Evangelisten, dass sie ein wichtiger Teil der Veränderung sind.